Der "Hind Heist"

Wie erfährt man am meisten über die feindliche Helikopter-Technik? Indem man einfach einen klaut.


Im April 1987, zum Ende des Libysch-Tschadischen Grenzkrieges, befanden sich die libyschen Streitkräfte auf dem Rückzug aus dem Nachbarland. Dabei ließen sie unter anderem eine voll bewaffnete libysche Mi-25, das neuste Exportmodell des berühmten sowjetischen Hinds, auf einem Flugfeld zurück. Bei der Ankunft von französischen und tschadischen Truppen wurde dieser erobert und in Ouadi Doum eingelagert.


Das Außenministerium der Vereinigten Staaten bekam Wind von der Sache und verhandelte mit der Regierung des Tschad und Frankreichs über eine Bergung des Hinds. Die Freigabe wurde erteilt, jedoch sollten sich keine Truppen des Tschad an der Operation beteiligen.


Nach dem Vorüben in den USA landete im Juni 1988 eine C-5 Galaxy auf dem Flughafen N’Djamena in Tschad, im Frachtraum zwei spezielle MH-47G "Chinook" plus 75 Soldaten. Es waren die Hubschrauber der berühmten Night Stalkers. Ein Chinook sollte den Großteil der Truppen sowie Anbauteile und Ausrüstung transportieren, der andere den Hind selbst als Außenlast anhängen. Die Hubschrauber wurden entladen und flogen mitten in der Nacht fast 800 km zu der geparkten Mi-25, ohne von den immer noch patrouillierenden libyschen Kampfflugzeugen aufgeklärt zu werden. Französische Kräfte unterstützten mit eigenen Soldaten und Mirage F1 Kampfflugzeugen zur Sicherung.


Der Hind wurde ohne Probleme an den zweiten Chinook angehängt. Aufgrund des hohen Gewichts musste dieser auf dem Rückweg aber 3 mal in vorher festgelegten Feldtanklagern auftanken und erreichte mit einem Sandsturm im Nacken gerade so den Flughafen N'Djamena. Hier wurden die sovietisch-libysche Mi-25 sowie die Chinooks auf zwei Transportflugzeuge verteilt und ohne Zwischenfälle in die Staaten geflogen.


Die ganze Aktion hat gerade einmal 67 Stunden gedauert und bei der Vollzähligkeit der libyschen Helikopter fehlt wahrscheinlich heute noch einer.


Die ganze Aktion hat gerade einmal 67 Stunden gedauert und bei der Vollzähligkeit der libyschen Luftwaffe fehlt wahrscheinlich heute noch ein Hind.
 
 
Anmerkung des Autors: Wenn Dir unsere Beiträge gefallen, kannst Du uns mit einem Einkauf in unserem Shop unterstützen (hier klicken). Wir sind für jeden Support dankbar!

Hinterlasse einen Kommentar

Alle Kommentare werden vor der Veröffentlichung überprüft.