Das heldenhafte letzte Gefecht von John Chapman

Am 4. März 2002 nahm TSgt John Chapman zusammen mit Mitgliedern des SEAL Team Six an der Operation Anaconda teil, deren Ziel es war, Kräfte der Taliban und al-Qaida im großen Rahmen zu zerschlagen.


In der Nacht sollte das siebenköpfige Team in einem Chinook Helikopter zum Takur Ghar Berg in Ostafghanistan fliegen, um ein Spähversteck zu errichten. Eine AC-130 hatte das Gebiet kurz vorher mit Thermalsicht nach Feinden abgescannt, konnte aber nichts aufklären und drehte dann ab, um andere Kräfte zu unterstützen. Was danach folgte, sollte als die „Schlacht von Takur Ghar“ bekannt werden.


Bereits am Boden hatte das Team technische Probleme und musst den Helikopter wechseln. Zudem stand es durch die bald aufgehende Sonne unter enormen Zeitdruck. Aufgrund dieser Tatsache und der „Feindfrei“-Meldung des Gunships entschied sich der Gruppenführer des Aufklärungsteams, direkt auf dem Berg zu landen. Nach den militärischen Grundsätzen wäre man eigentlich in sicherer Entfernung gelandet und hätte sich dem Aufklärungsziel zu Fuß angenähert.


Unter der dicken Schneedecke hatten sich nämlich gut ausgerüstete und ausgebildete Aufständische in Bunkern versteckt und nahmen den Chinook beim Anflug so schwer unter Beschuss, dass die Elektronik ausfiel, kurzzeitig ein Feuer ausbrach und Navy SEAL Neil Roberts in dem Chaos aus der Heckklappe stürzte. Nachdem der Helikopter etwa 10km entfernt notgelandet war, entschied sich die Soldaten, freiwillig zurück in die Gefahrenzone zu fliegen um den abgestürzten Kameraden zu retten.


Sobald das Team vom Hubschrauber absaß, geriet es unter schweres MG-Feuer und ging in Stellung. Chapman jedoch forderte eine AC-130 an und kämpfte sich dann alleine durch den hohen Schnee zu einem der Bunker vor, wo er 2 Feinde aus nächster Nähe tötete. Danach attackierte er mit seinem Gruppenführer zusammen einen zweiten Bunker, wobei er getroffen wurde und zusammenbrach. Als noch ein weiteres Teammitglied angeschossen wurde, entschied sich der Gruppenführer auszuweichen, wobei sie in der Dunkelheit den reglosen Chapman übersahen und zurückließen.


Dieser kam trotz seiner lebensgefährlichen Verletzung einige Zeit später wieder zu sich, nahm erneut den Kampf auf und erschoss einen Feind, der auf ihn zustürmte. Obwohl er abermals getroffen wurde, ring er einen weiteren Aufständischen im Nahkampf nieder. Als Chapman bei Tagesanbruch den Helikopter der Quick Reaction Force (QRF) hörte, stürmte er ein letztes Mal aus seiner Deckung heraus und zog das Feuer auf sich, damit sich die Feinde nicht auf den Helikopter einschießen konnten. Komplett leergeschossen und nach 16 Schrapnell- / Schusswunden erlitt Chapman schließlich einen letzten Treffer ins Herz und starb. Seine Taten wurden von einer CIA Drohne per Thermalsicht gefilmt, was später dabei half die Verleihung der Medal of Honor durchzusetzen.

Der Chinook der QRF hatte 19 Airborne Ranger, einen Tactical Air Controller und 3 Pararescue Jumper (PJ) an Bord. Noch in der Luft geriet er unter so heftiges Feuer, dass ein Doorgunner starb und beide Piloten schwer verwundet wurden. In einem heldenhaften Manöver schafften sie es im letzten Moment, unter ständigem RPG- und MG-Feuer eine verhältnismäßig sichere Notlandung durchzuführen.


Die absitzenden Soldaten wurden ebenfalls direkt unter Beschuss genommen und erhielten umgehend schwere Verluste. Mehrere hunderte feindliche Kämpfer hatten sich in der Gebirgskette verschanzt und wurden durch den Gefechtslärm angezogen.


Die Ranger kämpften sich durch 1 Meter hohen Schnee einen Hügel mit 45 - 70 Grad Steigung herauf, während sie gleichzeitig aus ausgebauten, erhöhten Stellungen mit schweren Maschinengewehren und Mörser beschossen wurden. Der Tactical Air Controller forderte mehrmals Luftschläge im Nahbereich (Danger Close) an und die Evakuierung von Verwundeten per Hubschrauber war durch das heftige Feindfeuer unmöglich.


Es dauerte Stunden, bis die amerikanischen Kräfte die Oberhand gewinnen konnten, alle Verwundeten evakuierten und gegen 20 Uhr Ortszeit schließlich die Exfiltration antraten. Insgesamt 7 US-Soldaten ließen ihr Leben während der Schlacht, 12 weitere wurden verwundet. 2 Chinook Hubschrauber in fortschrittlicher Ausführung mit Bodenradar gingen verloren. Auf der Gegenseite konnten bei den stundenlangen Gefechten etwa 200 feindliche Kämpfer ausgeschaltet werden.


Leider stellte sich heraus, dass der am Anfang aus dem Helikopter gefallene Navy SEAL Neil Roberts den Absturz wahrscheinlich überlebt hatte und kurz vor der Rückkehr des Teams von Aufständischen hingerichtet wurde. Ein endgültiges Statement zur genauen Todesursache liegt allerdings nicht vor.


John A. Chapman erhielt zuerst das Air Force Cross für seine Taten während der Schlacht von Takur Ghar. Die administrative Leiterin der Luftstreitkräfte, Deborah Lee James, setzte sich nach einer erneuten Analyse der CIA Drohnenaufnahme allerdings für eine Hochstufung zur Medal of Honor ein. Das Marinekommando versuchte das zu verhindern, da man somit zugeben müsste, dass Chapman zum Zeitpunkt des Ausweichens noch lebte und man ihn zurückgelassen hatte. Nichtsdestotrotz wurde Chapman im August 2018 posthum mit der Medal of Honor ausgezeichnet und zum Master Sergeant befördert.

 

Liste der Gefallenen:

U.S. Naval Special Warfare Development Group (DEVGRU):
PO1 Neil "Fifi" C. Roberts

U.S. Air Force Combat Controller:
TSgt John A. Chapman, born 1965

U.S. Air Force Pararescuemen:
SrA Jason D. Cunningham

U.S. Army 75th Ranger Regiment:
CPL Matthew A. Commons
SGT Bradley S. Crose
SPC Marc A. Anderson

U.S. Army 160th Special Operations Aviation Regiment (Airborne):
SGT Philip "Spytech" Svitak

 

Eine Bruderschaft, die niemand anderes versteht.

 

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