Das Wunder von Hürtgenwald

Günter Stüttgen war Hauptmann und Truppenarzt der deutschen Armee während der Schlacht im Hürtgenwald im 2. Weltkrieg. Seine Taten sollten später von den Amerikanern als das „Wunder vom Hürtgenwald“ bezeichnet werden.

Im November 1944, mitten in den heftigen Abwehrkämpfen bei eiserner Kälte, gelang es Günter Stüttgen einen Waffenstillstand zur Bergung der Verwundeten zu erringen. Stüttgen und ein Sanitäter, beide mit dem Zeichen vom Roten Kreuz, näherten sich unbewaffnet den amerikanischen Linien und luden einen amerikanischen Einheitsführer in ihren Gefechtsstand ein, zu welchem er mit verbundenen Augen geführt wurde. Insgesamt gelang es Stüttgen 3 Mal, einen mehrstündigen Waffenstillstand auszuhandeln. Gedeckt von seinem Regimentskommandeur, Oberst Rösler, ermöglichte er, dass Hunderte von Verwundeten und Gefangenen über die Linien hinweg ausgetauscht und verpflegt wurden. Deutsche Sanitäter bargen Amerikaner, Amerikaner halfen Deutschen. Stüttgen betrieb sogar seinen Sanitätsbunker für einige Tage zusammen mit amerikanischen Sanitätssoldaten. Hunderte Veteranen beider Seiten verdanken Stüttgens engagierten Einsatz ihr Leben. „Wir hatten Respekt voreinander. Respekt, den nur Soldaten voreinander haben können, die den Schrecken des Krieges kennen“, sagte Stüttgen in einem Interview.

Gegen Kriegsende übergab Stüttgen ein ganzes Lazarett kampflos in die Hand der anrückenden Alliierten und wurde dafür in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

50 Jahre lang schien das „Wunder vom Hürtgenwald“ in Vergessenheit geraten zu sein. Zu Beginn der 1990er Jahre weckten jedoch Schilderungen amerikanischer Veteranen das Interesse von Militärhistorikern. Sie machten sich auf die Suche und entdeckten den „German Doctor“.

Stüttgen wurde daraufhin mehrfach geehrt – vor allem von amerikanischer Seite. Außerdem steht auf der Kall-Brücke, ganz in der Nähe der damaligen Waffenstillstände, eine Skulptur von Michael Pohlmann, die an diesen Moment der Menschlichkeit inmitten des Grauens erinnert.

 

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