Wie man Leute zum zuhören bringt

 

 

Lesezeit: 4 – 5 Minuten

 

 

Packende Ausbildungen und Vorträge zu halten ist eine Kunst, die nicht viele beherrschen und deshalb umso wichtiger ist. Leider hat jeder von uns schon einmal „Death by PowerPoint“ - also Tod durch PowerPoint erlebt. Denn bei lahmen Vorträgen schaltet jeder irgendwann ab.

Damit euch das nicht passiert, habe ich hier die wichtigsten Lektionen aus meiner Zeit als Ausbilder bei der Bundeswehr zusammengefasst.

 

 

1. Richtige Vorbereitung

Ja, Vorbereitung ist wichtig, das weiß jeder. Aber hier geht es um das entscheidende Timing.

Als ich als junger Unteroffizier in der Truppe ausbilden sollte, habe ich teilweise das gesamte Wochenende vor der Ausbildung „geopfert“ und den ganzen Tag nur an der Vorbereitung gefeilt.

Trotz der immensen Vorbereitung habe ich die Unterlagen am Tag der Ausbildung selbst aber nicht mehr angeschaut. Höchstens noch einen Satz für den richtigen Wortlaut, nicht mehr.

Erstens könnt ihr etwaige Wissenslücken in den 10 Minuten vorher sowieso nicht mehr schließen. Zweitens macht ihr euch nur unnötig nervös, was doppelt kontraproduktiv ist, da kleinere Wissenslücken bei selbstbewussten Auftreten gar nicht auffallen würden.

Und zu guter Letzt beraubt ihr euch dem freien Sprechen, weil ihr ständig versucht auf euer Kurzzeitgedächtnis zurückzugreifen, statt einfach das Wissen frei vorzutragen, das auch wirklich sitzt.

 

 

2. Mit Aufregung umgehen

Leider können wir unserem Gehirn nicht einfach sagen „Sei jetzt nicht aufgeregt“. Aufregung lässt sich nicht steuern, so wie wir loslaufen und stehen bleiben, oder etwas aufheben und fallen lassen.

Deshalb müssen wir unser Gehirn austricksen. Ein guter Trick dafür ist es, einfach so zu tun, als wäre man Selbstbewusst und sich mit dieser Einstellung dann absichtlich in die unangenehmen Situationen zu begeben. Irgendwann merkt das Gehirn, dass es gar keinen Grund gibt, aufgeregt zu sein und schaltet die Nervosität automatisch ab.

Um das zu erreichen, mache dir nicht so viel Kopf um das wie, sondern eher um das was. Was ist dein Ziel. Atme durch, stell dich entspannt vor die Gruppe und halte mit ein paar Leuten kurz Blickkontakt. Genieße es förmlich, dass du jetzt im Mittelpunkt bist. Nicht, weil du arrogant bist, sondern weil du den Leuten vor dir einen enormem Mehrwert mitgeben darfst.

Diese positive Einstellung + „Fake it til you make it“ wirken Wunder.

 

 

3. Die Stimme als Instrument

Lass die Teilnehmer deine Begeisterung und Leidenschaft spüren und auch deinen persönlichen Vortrage-Stil mit einfließen. Wenn jemand richtig für das vorgetragene Thema brennt, reißt er das Publikum viel wahrscheinlicher mit, als jemand der nur von den Folien abliest und eigentlich gar keine Lust hat.

Benutze deine Stimme. Spiele mit ihr. Werde mal lauter und mal leiser. Auch die unterschiedliche Betonung von Sätzen ist wichtig. Wichtige Passagen betonst du, sprichst dabei etwas langsamer und wirst etwas lauter. Füge Pausen (!) ein, gerade kurz vor oder nach wichtigen Stichpunkten. Meist lassen wir uns selbst viel zu wenig Zeit beim sprechen, gerade wenn wir unter Druck stehen.

Sei bei der Wortwahl authentisch, aber probiere nicht extra cool / witzig / hart rüber zu kommen. Das hat in der Regel exakt den gegenteiligen Effekt.

 

 

4. Fragen richtig stellen

Nun folgt ein Geheimtrick, den ich einem meiner Ausbilder abgeschaut habe. Mit ihm schaffst du es zu 100% garantiert die Männer und Frauen voll aufmerksam zu halten.

Es ist: Die richtige Art Fragen zu stellen.

Statt jemanden dran zu nehmen der sich gerade meldet, nennst du einfach eine mal Person, die sich gerade nicht meldet. Wenn sie sagt „Aber ich habe mich nicht gemeldet“ antwortest du einfach „Aber ich habe dich dran genommen“

Meist erwischt man die Leute so völlig unvorbereitet, weil sie dachten sie bekommen jetzt alles schön vorgekaut, statt selbst mal mit zu denken. Natürlich ist es jetzt peinlich, wenn man keine Antwort kennt, aber dafür denkt sich ab jetzt jeder „Oh, ich denke lieber selbst direkt mit und überlege was ich sagen, falls ich dran genommen werde“

Tagträumer haben keine Chance. Alle lernen mehr. Und es macht verdammt Spaß.

 

 

5. Fehler anerkennen

Ich sah mal einem Ausbilder zu, der Kameraden beim Abseilen sichern sollte. Hunderte Male ging alles gut, doch genau in dem Moment wo ein Kamerad ausrutschte, vergriff sich der Ausbilder am Seil und so fiel der Kamerad etwa 2 Meter, bis das Sicherungsseil des Ausbilders ihn fing. Keiner zweifelte am Gemüt des Ausbilders, aber es hat eben genau diese halbe Sekunde zu lange gedauert, die jetzt für Unsicherheit sorgte.
Alle schauten auf den Ausbilder. Der schaute zurück und sagte mit leichter Selbstironie: „Naja, ich mache das gerade auch zum ersten mal“. Alle Anwesenden brachen ins Lachen aus. Der Ausbilder machte völlig selbstsicher und keiner zweifelte an seinem Können. Weitere Vorfälle gab es auch nicht.

Die Leute sind nicht dumm und merken sehr schnell, wenn du gerade einen Fehler machst, dir selbst widersprichst oder unsicher bist. Natürlich ist selbstsicheres Auftreten wichtig, aber nicht bis zu dem Punkt, wo man einfach unglaubwürdig erscheint.

Ein guter Ausbilder macht selten Fehler, trotzdem ist es absolut menschlich. Wie fast alles, kann man das mit einer guten Portion Selbstironie und Humor schnell ausgleichen. Durch die menschliche und authentische Reaktion zieht man das Publikum sogar noch mehr auf seine Seite.

 

 

Zusammenfassung

Unterm Strich kommt es bei Ausbildungen/Präsentationen auf drei Dinge an: Energische Vorbereitung, Selbstbewusstes Vortragen und niemals den Spaß und die Menschlichkeit verlieren. Wenn ihr dies beherzigt, habt ihr schon mehr als die halbe Miete!

 

 

Viel Erfolg da Draußen!

Shughart

 

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